Yella
07:04Eine junge Frau läuft auf dem Bürgersteig einer ostdeutschen Kleinstadt. Der Ort scheint verschlafen und menschenleer. Auf der Strasse ist keinerlei Leben zu sehen. Doch die Frau ist auf der Flucht vor ihrem bisherigen Leben, personifiziert in der Gestalt ihres Ex-Mannes. Dieser steht vor den Trümmern seiner Firma und sucht händeringend nach dem verlorenen Glück – und seiner verflossenen Beziehung. Die junge Frau mit dem seltsamen titelgebenden Namen versucht alldem zu entkommen und wird doch ihrer Vergangenheit nicht entkommen.
Einmal mehr gelingt es Christian Petzold mit seiner unaufgeregten Erzählweise einer eigentlich recht einfachen Geschichte grosse Intensität zu verleihen. Unterstützt wird er erneut vom Dramaturgen Harun Farocki und natürlich vor Allem von Nina Hoss in der Titelrolle, der es unschwer gelingt, den kompletten übrigen Cast an die Wand zu spielen. Darin liegt vielleicht auch schon die grösste Schwäche des Filmes angedeutet.
Petzold erzählt erneut eine Geschichte zwischen Ost und West. Der Exodus aus der alten Heimat bedeutet dabei allerdings keinesfalls eine Garantie auf Verbesserung. Die Aufgabe der Heimat (von Petzold doppelgeführt als Aufgabe der Beziehung und der wirtschaftlichen Verbindungen) resultiert in der Person von Yella in einem seltsam erscheinenden Schuldkomplex. Im Osten scheint man sie halten zu wollen – einerseits in Gestalt ihres sie verfolgenden, dabei krankhaft eifersüchtigen Exmannes – andererseits in Form ihres wortkargen liebevollen Vaters. Im Westen hingegen herrscht der Turbokapitalismus der brutalen Sorte. Dort braucht man die schöne Frau entweder zur Durchführung zwielichtiger Geschäfte oder möchte sie am liebsten gebrauchen zur Befriedigung körperlicher Bedürfnisse. Und Yella, fasziniert von der neuen Welt, lässt sich willig auf diese Geschäfte ein. Im Bestreben, doch noch die Firma ihres Expartners zu retten, übertrifft sie am Ende noch die kalte Entschlossenheit ihres Lehrmeisters aus dem Westen.
In Petzolds Filmen scheint keine Szene überflüssig zu sein. Bleibt einmal Etwas ohne Weiterführung stehen, so ist anzunehmen, dass später an diesem Faden weitergeknüpft wird. In Yella überkreuzen sich so die verschiedenen Ebenen des Films so kunstvoll, dass dieses Spiel kaum mehr sichtbar ist. Damit das ganze aufgeht muss allerdings, so viel sei verraten, für einen kurzen Moment die übernatürliche Ebene betreten werden. Aber Geister, so viel wissen wir bei Petzold, sind auch nur Menschen wie wir.

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