Chacun son cinéma

12:32

2007


Chacun son cinema ist ein Geschenk des weltberühmten Festivals von Cannes an sich selbst zu seinem 60jährigen Bestehen. Insgesamt 34 Resisseure drehten ihre ganz persönliche Hommage an das Kino, 34 kurze Beiträge von niemals mehr als vier Minuten, aus allen Teilen der Erde, auch wenn man den Eindruck gewinnt, Europa und Asien sei stark übervertreten. Und so liest man unter den Resisseuren auch einen grossen Teil der üblichen Verdächtigen: Polanski, Wenders, von Trier, Kitano, Kaurismäki um nur einige wenige zu nennen.


Chacun son cinéma ist einmal mehr, ich muss es gleich vorweg nehmen, einmal mehr ein Beispiel, dass ich persönlich mit dem Format des Kurzfilm so meine Probleme habe. Der Filmsammlung mangelt es weiss Gott nicht an wohl klingenden Namen. Wir sehen hervorragende fotografierte Bilder, die sich in der Kürze des Formates allerdings kaum in die Netzhaut einzubrennen vermögen. Kaum hat man sich ein wenig im neuen Setting eingenistet, wird man, abrupt und unvermittelt, schon zum nächsten gezogen. Teilweise hektische Schnittechnik fügt dem Gesamten einen weiteren Moment der steten Unruhe hinzu. Die Qualität der Beiträge ist von höchst unterschiedlichem Niveau, wie nicht anders zu erwarten. Grob kann man verschiedene Kategorien ausmachen, mit denen die Regisseure an Ihre Arbeit gegangen sind. Da sind zunächst einmal diejenigen, die zunächst einmal eine Reihe von Kinogängern beim Betrachten eines Filmes zeigen. Bei manchen Arbeiten ist damit praktisch schon alles gesagt, ausser dass es sich bei den Kinogängern entweder um eine spezielle Schicht (Milieustudien) oder solche aus einem fernen Land (afrikanische oder asiatische Provinz) handelt. Das wird dann natürlich mit dem üblichen Personalstil nobilitiert, ist aber letztlich in seiner Kürze völlig belanglos (z.B. Kaurismäki) Eine zweite Gruppe versucht dem Kinobesuch eine humoristische Note, meist durch eine kleine eingefügte Geschichte zu geben. Das gelingt mal mehr (Polanski, Loach), mal weniger gut. Unter diese Gruppe fällt wohl auch von Triers Beitrag, der jedoch in seiner typisch beissenden Ironie klar aus den anderen Beiträgen heraussticht und sicher einen Höhepunkt der Sammlung bietet. Ort der Handlung ist eine Filmvorführung im berühmten grossen Saal zu Cannes. Die Honorationen haben Platz genommen, der Fokus fällt auf eine Gruppe Männer im Frack. Einer von Ihnen beugt sich zu einem anderen hinüber und deckt ihn wortreich mit seinen wirtschaftlichen Erfolgen und Auszügen aus seiner Vita ein. Auf die Frage, was er denn so mache, wendet sich der Zugesprochene an ihn und meint nur kurz mit einem Lächeln auf den Lippen: "I kill..." und erschlägt den reichen Prahler lustvoll mit einem Hammer. Bliebe noch zu erwähnen, dass auf der Leinwand zuvor "Antichrist" zu sehen war und der Mörder natürlich niemand anders als von Trier selbst ist.



Noch ein anderer Regisseur filmt sich selbst in seinem Beitrag und wieder ist das Ergebnis grossartig. David Cronenberg spielt selbst in "At the suicide of the last jew in the world in the last cinema in the world." In einer Art apokalyptischen Vision sieht man einen Mann mit einer Pistole in der Hand darum ringen, den Abzug zu drücken, während aus dem Off im Stile reisserischer Livereportagen zwei Journalisten das geschehen wortreich kommentieren. So erfährt man z.B. dass es ja Juden gewesen seien, die das Kino erfunden hätten - oder zumindestens Hollywood. So gelingt es Cronenberg in nur drei Minuten ein brilliantes Stück nicht nur über einen tragischen Selbstmord sondern auch eine brilliante Vision über das Ende des Mediums selbst abzuliefern.
IMDB
 6.5 von 10



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