Almanya - Willkommen in Deutschland

14:19

2011
IMDB | 5.0 von 10


Almanya erzählt die Geschichte des türkischen Gastarbeiters Hüseyin Yilmaz, der nach einer amurös bedingten Flucht aus Anatolien und einer wirtschaftlichen Flucht aus Istanbul in Deutschland eine zweite Heimat findet. Nach fünfzig Jahren in Deutschland beschliesst Yilmaz mit seiner mittlerweile vielköpfigen Familie zurück zu seinen Wurzeln nach Anatolien zu reisen.

Jetzt hatte man doch wirklich für einmal mehr die Hoffnung gehabt, dass das frische Blut der deutschen Einwanderer die klinisch tote deutsche Komödie auf wundersame Weise noch einmal zum Leben erwecken könnte. Leider wehrt sie sich höchst erfolgreich gegen sämtliche Wiederbelebungsversuche. Wie vor einiger Zeit auch Fatih Akin in Soul Kitchen scheitern die Sandereli-Schwestern, wenn gleich auf etwas höherem Niveau. Vielfach hervorgehoben wurde in der Kritik auch die nette Idee, Yilmaz in Rückblenden deutsch sprechen zu lassen, den für Yilmaz unverständlichen Deutschen jedoch einen sehr seltsamen Kauderwelsch in den Mund zu legen. Nett, aber auch nicht brillant genug, um daraus wirklich Kapital zu schlagen. Und so bedient sich der Film reichlich an Vorbildern, vielfach an Amélie de Montmartre ohne eine eigenständige Sprache zu finden. Schade eigentlich.

Das Grundproblem von Almanya ist nicht, dass sein Humor schlecht oder seicht wäre (dem anderen Grundübel der deutschen Komödie), sein Grundproblem ist vielmehr, dass er sich nicht dazu entschliessen kann, wirklich eine Komödie zu sein. Zugleich ist Almanya nämlich auch noch ein wenig eine Tragödie, ein wenig Milieustudie und natürlich auch ein wenig sozialkritisch. Vielleicht muss ein deutscher Film all diese Strömungen abdecken um an ein möglichst breites Netz von Fördergeldern zu gelangen. Dem Endprodukt tut es leider gar nicht gut. Viel zu bemüht wird bisweilen der sozialdemokratische Finger ausgelegt, etwa wenn Yilmaz Sohn einem alten Freund in Istanbul eine Flasche Coca-Cola als Geschenk mitbringt und dieser ihn grob zurückweist, weil er ein grösseres Geschenk vom "reichen" Gastarbeiterkind erwartet habe und Yilmaz dies unwirsch mit einer "Verrohung der Jugend" quittiert, welche ja auch hier nur "noch an das Geld denke".

Stark ist Almanya in gewissen Details, etwa als Familie Yilmaz in ihre erste deutsche Wohnung einzieht und die Mutter den Kindern nicht erlaubt das WC zu benutzen, bevor sie nicht den Dreck von "den Deutschen" abgeschruppt habe. Derartig doppeldeutiger Humor ist allerdings eher die Ausnahme und so pendelt der Film zwischen echten Ideen und echten Wiederholungen.


You Might Also Like

0 Kommentare

Popular Posts

Like us on Facebook

Flickr Images