Rashomon
14:041950
IMDB 10.0 von 10
Wie die allermeisten wirklich grossen Geschichten ist die grundsätzliche Handlung rasch erzählt. Ein Samurai zieht mit seiner attraktiven Frau durch den dichten japanischen Wald. Dabei lauert Ihnen ein Dieb auf, welcher die Gier des Samurai nutzt ihn zu überwältigen, seine Frau vergewaltigt, die Besitztümer der beiden an sich bringt und sich trollt. Ein Wanderer entdeckt den Leichnam des Samurais im Wald und einige Kleidungsgegenstände der Frau. Kurze Zeit später wird der Dieb verhaftet und ihm der Prozess gemacht. Auch die vergewaltigte Frau findet sich später am gleichen Ort ein.
Der Blick des Zuschauers auf die Handlung ist diejenige eines Prozessbeobachters, der durch die Aussage der Protagonisten nacheinander die Geschehnisse mit den Augen des Diebs, der Frau, des durch ein Medium sprechenden Toten und schliesslich, abseits des Prozesses durch die Schilderung eines vermeintlich unbeteiligten Dritten vorgeführt bekommt.
Die viermalige Wiederholung der Ereignisse erzählen viermals eine andere Geschichte, in der sich nicht nur die Protagonisten jeweils selbst im besten Licht darstellen, sondern auch die Tatsächlichkeit der Realität sich beginnt aufzulösen. So macht sich der Dieb zum heldenhaften Kämpfer, die Frau zur bedingungslos Liebenden, der Samurai zum edlen Märtyrer. Und alle nehmen die Schuld des Mordes auf sich selbst. Die vermeintlich objektive Aussenperspektive führt die drei Geschichten zusammen, bestätigt und verneint und alle zugleich. Kurosawa entwickelt an den lügenden Protagonisten ein düsteres Menschenbild, das sich selbst am Abgrund noch einer egoistischen Resteitelkeit erfreut. Oder sollte es gerade diese Eitelkeit sein, welche am Ende vor dem Sturz in die völlige Verzweiflung schützt? Der Regisseur sieht dies eher als Form der Therapie, wenn er sagen lässt: "Men just want to forgive the bad stuff and believe in the made-up good stuff." Gleichwohl Resignation und Hoffnungsschimmer versucht sich der Film am Ende dann doch noch mit einem Happyend auf den Menschen. Und wie heisst es dort? "In the end you cannot understand things men do."
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