Viaggio in Italia

14:09


1954


Eines vorneweg: bei Filmen, über die ich mir unsicher bin, kontaktiere ich gerne das Internet, über Näheres darüber zu erfahren. Im vorliegenden Fall konnte man da z.B. lesen, dass seinerzeit das "Cahiers de Cinema", in dem u.a. Godard und Truffaut arbeiteten, diesen Film von Rosselini als einen der zehn besten aller Zeiter auserkoren.

Für mich ist dieses Urteil kaum nachvollziehbar. Die Handlung, ein aristokratisches Ehepaar aus England sucht auf jener "Viaggio in Italia" einen Ausweg aus ihrem ständigen Ehezwist, scheint auf seltsame Weise schlecht durch die Jahre gekommen. Ich habe mich lange gefragt, woran dies liegen könnte. Zum einen wirken die beiden Charaktere seltsam hölzern. Es scheint fast so, als ob sie direkt jener Zeit stammten, in der man glaubte, nur die "oberen Zehntausend" seien es wert, Gegenstand einer rechten Erzählung zu werden. Die Methode, mit der sie ihre Eheprobleme schlichten wollen, eben jene Reise in den Süden, ist holzschnittartig und konstruiert. Dieser Eindruck zieht sich in der weiteren Handlung in steigenden Dosen fort. Die Frau verbringt ihre Zeit in Museen und Ausgrabungsstätten, dabei einerseits ihren Horizont weitend, andererseits über ihre ehelichen Perspektiven grübelnd (in einer besonders platten Szene lässt Rosselini sie sehnsuchtsvoll Kinderwägen nachblicken), der Ehemann steigt natürlich einer jungen Frau hinterher. Das ist alles vorhersehbar, uncharmant und darüber hinaus noch didaktisch vorbereitet. Auch in technischer Hinsicht nerven aus heutiger Zeit schlechte Aufnahmen auf dem fahrenden Auto heraus oder lieblos hingesetzte Kameraeinstellungen.

Das metaphysisch aufgeladene Ende bringt dann zwar noch eine unerwartete Wendung, doch auch jene bleibt letztlich in ihrer trockenen Präsentation Teil des bisherigen schwachen Ganzen. Dass eine vordergründig "kühl" erzählte Geschichte dennoch "heisse" Emotionen hervorrufen kann, demonstrierte Bresson zur gleichen Zeit auf eindrückliche Art und Weise.

Ein Lob indes an zwei hervorragende Hauptdarsteller. Besonders George Sanders als ekelhafter Gatte hat mir gut gefallen. 


IMDB
5.0 von 10

 

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