Un condamné à mort

14:07


1956 

Vielleicht starte ich bei meiner kurzen Kritik mit den beiden einzigen Punkten, die mir an diesem Film nicht so gut gefallen: das ist zum einen der völlig überzogene französische Originaltitel, der viel zu lang ausfällt und, obgleich er zwei Varianten anbietet, mit keiner der beiden so recht zu überzeugen vermag, zum anderen der schlecht gewählte Soundtrack. Ich gebe an dieser Stelle offen zu, in zunehmendem Masse allergisch auf unqualifizierte Musikwahl zu reagieren. Und gerade Mozart wurde in einem derartigem Masse filmisch verheizt, dass sich hinter jedem neuen Einsatz ein schärfstes Fragezeichen setzen lässt. Gerade Filme, die zu einem hohen Masse von der Reduktion ihrer filmischen Mittel leben, benötigen eine besondere Umsicht im Hinblick auf die Tonspur. Bela Tarr wurde in dieser Hinsicht vor kurzem von mir scharf kritisiert. In diesem Film macht es Bresson noch schlimmer. In derbster Manier werden hier akustische Fetzen in die Ohren gehauen, die weder musikalische, noch dramatische Spannungsbögen aufbauen oder unterstützen. Am Ende des Filmes wird dies leider besonders augenfällig.

Doch nun zu den positiven Aspekten des Filmes. Ich glaube, dass Bresson mit UN CONDAMNE A MORT ... ein wirklich grossartiger Film gelungen ist. Vielleicht ist es diesmal nicht die genialische Schlusszene, sondern bereits eine genialische Anfangsszene, die alles klar macht mit gleichsam sorgsam reduzierter Bildsprache. Da sitzt also der Verurteilte auf der Rückbank eines Automobils, neben ihm zwei weitere Personen, beide in Handschellen, er selbst noch ungefesselt. Sein Blick gleitet immer wieder, scheinbar zufällig, auf den Griff der Hintertür, dann wieder auf die Strasse, um die Geschwindigkeit des Wagens einzuschätzen. Brillianter kann man, denke ich, Charakter und
Handlung kaum einführen.
Der Rest des Films hält das hohe Niveau des Beginns und kann auch als eine Art Gegenthese zu den klassischen Hollywoodbearbeitungen des Ausbrechergenres gesehen werden. Praktisch unter völligem Verzicht auf Action, dramatische Einstellungen und derartiges Brimborium (Flucht von Alcatraz, Flucht in Ketten etc. pp.) gelingt es Bresson vielmehr mit seinem (Laien–)hauptdarsteller eine beklemmende Kulisse von beeindruckender Intensität zu schaffen. 

IMDB
7.0 von 10

 

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