Bad Boy Bubby

01:22

1993

IMDB | 9.0 von 10

30 Jahre lang wird Bubby von seiner Mutter in einer höhlenartigen Einzimmerwohnung festgehalten mit dem Argument, die Welt da draussen sei vergiftet. Durch das Eintreffen des Vaters ändert sich Bubbys Welt schlagartig und er muss sich die Welt jenseits des vertraut gewordenen Gefängnisses erschliessen.

Rolf de Heers grandios verstörender Film teilt sich in zwei Teile. Der erste Teil spielt ausschliesslich in jenem klaustrophobischen Raum mit rohen Betonwänden, in dem es ausser einem Bett, einer Kochstelle, einem Tisch und Sofa kaum etwas gibt. Draussen scheint die Welt untergegangen zu sein, vielleicht zertört nach einem weiteren Krieg, jedenfalls verlässt Bubbys Mutter die Wohnung niemals ohne Gasmaske. Die Mutter nutzt die Machtposition, die sie gegenüber ihrem Sohn besitzt, schamlos aus. Der Sohn wiederum, praktisch unfähig zur Kommunikation versucht zu reflektieren in dem er imitiert. Die Aussagen der Mutter gibt es wortwörtlich wieder, ihre grausamen Handlungen an ihm wiederholt er an diversem Kleingetier an, das seinen Weg in die enge Wohnung gefunden hat.

Bad Boy Bubby ist aber natürlich auch eine moderne Variation des Kaspar Hauser Themas. Natürlich gibt es die Szene, in der die Gesellschaft, irritiert von dieser seltsamen Gesellschaft und dessen seltsamen Verhalten, versucht ihn loszuwerden. Anders als Hauser ist Bubby aber durchaus in der Lage, zurückzuschlagen, durchaus in der Lage physische Gewalt anzuwenden, auch wenn seine Motivation, anders als es der Titel vermuten lässt, weniger Bösartigkeit als neugieriges, kindliches Experiment sein dürfte. Und so fügt sich der erwachsene Freak erstaunlich gut in der modernen Welt ein, findet Menschen die ihn akzeptieren oder ihn zumindestens interessant finden. Aus einer solchen Person kann man natürlich auch Profit schlagen. Und so wundert es nicht, dass Bubby letztlich seinen Weg auf die Bühne findet – dem Elephant Man übrigens gar nicht unähnlich.

Bubbys Aussagen kommen stets vollkommen ungefiltert aus ihm heraus. Alle seine Worte sind jeweils eine exakte Kopie dessen, was er zuvor an einer völlig anderen Stelle aufgeschnappt hat. Dadurch entsteht eine seltsame Collage von Situationen, die stets ungewohnt, aber seltsamerweise nie sinnlos erscheinen. Etwa, wenn Bubby an einer Beerdigung die grossartige Philippika gegen Gott eines Homo Faberschen Kraftwerksingenieurs wiederholt. Oder wenn er als Sänger einer Rockband auf der Bühne jene kehligen Laute dementer Patienten perfekt imitierend ins Mikrofon hinein brüllt.

Anders als Kaspar Hauser erfährt Bubby am Ende so etwas wie ein Happy End im schönsten Familenidyll. Man nimmt de Heer dieses Ende kaum ab. Zu übersteigert, zu überzuckert kommt es daher. Anders als Kaspar Hauser wird Bubby von der heutigen Gesellschaft der "Normalen" nicht ausgeschlossen sondern wird vielmehr der "Normalste" unter Ihnen. Oder auch nur ein weiterere Freaks unter all den Freaks dort draussen.

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