Martha
10:151974
Erst spät habe ich meinen ersten Fassbinderfilm gesehen. „Angst Essen Seele auf“ war in meinen Augen ein zwar solider, aber alles in allem ein wenig angestrengter Film über unterschwelligen Rassismus und den Neid der Mitmenschen auf ein neues spätes Glück. Gerade diese Angestrengtheit erschien mir in diesem Moment einmal mehr als ein typisches Charakteristikum deutschen Kunsttums, vor allem, wenn es auf der Leinwand geschieht, und Fassbinder wanderte für einige Zeit wieder in die Schublade. Dann jedoch bekam ich „Welt am Draht“ in die Finger, einen Zweiteiler den Fassbinder für das deutsche Fernsehen nach der Novelle „Simulacrum“ anfertigte und in dem er den Bühnenschauspieler Klaus Löwitsch auf die Leinwand holte. Und auch wenn die Geschichte einige Schwierigkeiten besitzt, so gehört „Welt am Draht“ doch sicher zu den eindeutig besseren Science-Fiction-Filmen, eben gerade weil er, ähnlich wie z.B. auch Alphaville, eher eine innere Raumsuche als eine äussere betreibt. Und eine Film, der selbst noch im (viel schlechteren) Remake von Eichinger unter dem Titel „13th Floor“ funktioniert, verdient hohen Respekt. Mit Fassbinder war ich jedenfalls versöhnt, spätestens jedoch nach dem absolut grandiosen und mit Worten gar nicht genug zu lobenden Meisterwerk „Berlin Alexanderplatz“.
9.0 von 10
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