In a Lonely Place
14:05Ein zynischer, seinen Launen verfallener, und seit geraumer Zeit erfolgloser Filmautor wird eines Mordes beschuldigt. Seine Nachbarin, fasziniert von seiner Ausstrahlung, verschafft ihm ein Alibi. Doch dann kommen ihr Zweifel …
Humphrey Bogarts beste Rolle.
Diesen Satz muss man wirken lassen.
Denn mit zunehmenden Alter bin ich von diesem nur körperlich kleinen Mann (bekanntermassen konnte er der Bergmann nie in die Augen blicken, ohne dass ihm die Filmcrew eine kleine Holzkiste als Podest aufgebaut hatte) begeistert. Denn natürlich gab es African Queen, den Malteser Falken und über allem – natürlich – Casablanca. Aber In a Lonely Place hat Bogart in der Rolle des Dixon Steele wahrscheinlich die Rolle seines Lebens gefunden. Vielfach wurde berichtet, dass sie zugleich diejenige gewesen sei, welche der realen Person am nächsten gekommen ist. Dies muss kein Fehler sein, schliesslich ist auch Kinski am besten gewesen, wenn er einfach Kinski spielen konnte und vielleicht am abgründigsten, wenn eben jener Kinski sogar sich selbst in der Figur des Wozzeck wieder gefunden hat. Dixon Steele teilt mit Kinki die Eigenschaft, von einem Moment auf den anderen ein scheinbar vollständig anderer Mensch werden zu können. Phasen grösster Zuvorkommenheit und Liebenswürdigkeit wechseln ohne Bruch mit heftigsten Zornesausbrüchen ab. Die Nachsicht, welche die Gesellschaft mit den Meriten des Künstlers übt, nutzt Steele für beispiellos cholerische Momente. Anders als bei Kinski sind jene Ausbrüche jedoch weniger Antrieb für ein mehr oder weniger wahnwitziges künstlerisches Projekt (Fitzcarralldo, Paganini), als mehr ein pathologischer Fluch, deren sich der Urheber jener Ausbrüche durchaus bewusst ist. Und wie alle Choleriker bereut er nach jedem Ausbruch seine eigene verlorene Selbstbeherrschung.
Das Faszinierende an In A Lonely Place ist allerdings genau die Tatsache, dass der Film klar macht, dass Steele als Person eben durch seine Attacken erst zu jener brilliantern Person wird, die er ist. Erst such jene ständige Spannung, unter der er steht, wird er zu einer interessanten Figur, die in Laurel Grey (Gloria Grahame) beinahe sofort eine erotische Spannung erzeugt. Dass diese Spannung unweigerlich in die Tragödie führen muss, ist vom ersten Moment an klar. Denn im gleichen Masse, wie Laurel von Dixon angezogen ist, fürchtet sie seine Abgründe, fürchtet sie, von der Dominanz, welcher er zweifelsohne ausstrahlt, im wörtlichen Sinne erdrückt zu werden.
In A Lonely Place ist ein bemerkenswert moderner Film. Im Jahre 2012, wohlgemerkt. Und er beweist aufs Wunderbarste, das man, um einen unglaublich fesselnden Film zu erzeugen, kaum Spezialeffekte, keine Farbe und keine aufwendigen Sets benötigt. Ein gutes Drehbuch reicht schon beinahe. Wenn dann noch zwei Schauspieler wie die Grahame und Bogart dazu kommen, entsteht ein seltene Sternstunde der Filmkunst:
I was born when she kissed me.
I died when she left me.
I lived a few weeks while she loved me.

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